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Neue Auswertungen der repräsentativen Frankfurter Mietspiegel-Erhebung zeigen: Bei 81 Prozent der untersuchten Mietverhältnisse zahlen Mieter:innen mehr als die Mietpreisbremse erlaubt. Mieter helfen Mietern Frankfurt e.V. fordert die Stadt Frankfurt zum Handeln auf und unterstützt die Kampagne für einen bundesweiten Mietendeckel.

Frankfurt am Main, 15.09.2026 – Für eine 57 Quadratmeter große Wohnung im Frankfurter Westen zahlt Frau Moraud [Name geändert, Anmerkung MhM] 1.790 Euro Kaltmiete monatlich. Die Mieterin hatte 2025 dringend eine Wohnung gesucht. Eine Nachbarin machte die sie darauf aufmerksam, dass diese Miete deutlich überhöht sein muss und dass der Verein Mieter helfen Mietern Frankfurt e.V. helfen kann, sich zu wehren.

Nach Berechnungen auf Grundlage des Frankfurter Mietspiegels liegt die zulässige Miete für die Wohnung bei unter 700€. Die vertraglich vereinbarte Nettokaltmiete liegt damit deutlich über der nach der Mietpreisbremse zulässigen Miete. Jeden Monat zahlt Frau Moraud über 1000 Euro mehr Miete als verlangt werden dürften.

„Der Fall von Frau Moraud zeigt exemplarisch, wie massiv die zulässige Miethöhe in Frankfurt auch jenseits begehrter Lagen überschritten wird. Die Lage am Wohnungsmarkt lässt Mieter:innen davor zurückschrecken vor Einzug umfassend zu prüfen, ob die verlangte Miete rechtlich zulässig ist“, sagt Conny Petzold, Co-Büroleiterin von Mieter helfen Mietern Frankfurt e.V. 

Die Mieterin hat die Miethöhe bereits Anfang des Jahres gerügt. Der Vermieter hat die Miete bislang nicht entsprechend abgesenkt. Nach einem Jahr Mietdauer summiert sich die nach derzeitiger Berechnung zu viel gezahlte Miete auf mehr als 12.000 Euro. Frau Moraud will diese nun auf gerichtlichem Weg zurückfordern und zugleich eine Absenkung der Miete erreichen.  

Amt für Wohnungswesen bestätigt Mietpreisüberhöhung

Mieter helfen Mietern Frankfurt e.V. vermutet einen Fall von Mietpreisüberhöhung beziehungsweise Mietwucher und riet der Mieterin das Amt für Wohnungswesen einzuschalten. Die zuständige Abteilung für Wohnraumerhaltung vereinbarte einen Ortstermin in Frau Morauds Wohnung, prüfte daraufhin ei

nen möglichen Verstoß gegen § 5 Wirtschaftsstrafgesetz (WiStG) und kam zum Schluss, dass die monatliche Miete mehr als 150 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt. Dem Vermieter droht ein formelles Bußgeldverfahren.

 „Der Fall von Frau Moraud ist ein Extremfall, aber kein Einzelfall. Das Grundproblem erleben wir in Frankfurt täglich: Menschen finden eine Wohnung, akzeptieren die verlangte Miete, weil sie keine Alternative haben, und erfahren oft erst viel später, dass die Miete möglicherweise gar nicht zulässig ist“, sagt Conny Petzold.

Frankfurter Mietspiegeldaten zeigen strukturelles Problem

Wie groß das Problem ist, zeigen auch die von der Stadt Frankfurt vor 14 Tagen veröffentlichten Ergebnisse einer Untersuchung von Mietverhältnissen aus der Mietspiegelerhebung 2025[1]. Die Stadt hat 1.197 Mietverhältnisse aus der Datengrundlage für den Mietspiegel 2026 genauer untersucht. Das Ergebnis: Bei 81 Prozent der Mietverhältnisse lag die Miete mehr als zehn Prozent über der zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses geltenden ortsüblichen Vergleichsmiete, also über der Grenze, die nach der sogenannten Mietpreisbremse zulässig ist. 49,5 Prozent lagen sogar mehr als 20 Prozent darüber. Das bedeutet: Bei 593 der in die Datengrundlage für den Mietspiegel 2026 eingegangenen Mietverhältnisse besteht ein Anfangsverdacht auf Mietpreisüberhöhung nach § 5 Wirtschaftsstrafgesetz.

Conny Petzold fragt: „Was folgt aus diesen alarmierenden Daten? Hunderte Mieter:innen in Frankfurt haben Daten für den Mietspiegel 2026 geliefert, die nun zeigen, dass Mietpreise mehrheitlich überhöht sind. Das Amt für Wohnungswesen und die neue Stadtregierung können nach der Veröffentlichung solcher erschreckenden Erkenntnisse nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Wer Mieter:innen für eine stadtweite Erhebung um detaillierte Auskünfte über ihre persönliche Wohn- und Mietensituation bittet, trägt auch Verantwortung dafür, wenn diese Daten Hinweise auf mögliche Rechtsverstöße liefern.“

Deshalb braucht es jetzt konkrete Antworten: Werden die betroffenen Vermieter:innen zur Absenkung der überhöhten Mieten aufgefordert?

Mieter helfen Mietern hatte bereits bei der Veröffentlichung des Mietspiegels 2026 darauf hingewiesen: „Wir haben hier ein strukturelles Problem: Überhöhte Mieten werden Teil eines Systems, das wiederum zur Orientierung für die weitere Mietentwicklung dient. Wenn sich das Mietniveau immer weiter nach oben bewegt, weil bereits hohe Mieten in die Berechnung einfließen, entsteht eine Aufwärtsspirale. Diese Entwicklung müssen wir stoppen“, so Conny Petzold.

Mieter helfen Mietern fordert bundesweiten Mietendeckel

Nach Auffassung des Mietervereins ist ein Teil der Lösung, bei künftigen Mietspiegelerhebungen überhöhte Mieten aus der Datengrundlage herauszufiltern. Aber auchdann blieben viele bereits bestehende überhöhte Mietverhältnisse bestehen. 

„Es reicht nicht, die Datengrundlage des Mietspiegels zu korrigieren. Wir müssen auch die Menschen schützen, die heute schon in überteuerten Wohnungen leben. Wer bereits eine überhöhte Miete zahlt, braucht eine Möglichkeit, diese Miete tatsächlich absenken zu lassen“, fordert Conny Petzold.

Mieter helfen Mietern Frankfurt e.V. unterstützt deshalb die Kampagne „Mietendeckel jetzt!“ für einen bundesweiten Mietendeckel. Konkret geht es um drei zentrale Maßnahmen:  

  • Einen sofortigen Mietenstopp für sechs Jahre, damit Mieterhöhungen vorübergehend ausgeschlossen werden und Haushalte wieder Planungssicherheit erhalten.
  • Eine klare Obergrenze für Neuvermietungen ohne Ausnahmen, die sich an der konkreten Wohnsituation vor Ort und einem realistischen Mietniveau orientiert.
  • Die Möglichkeit zur Absenkung überhöhter Bestandsmieten, damit auch bereits bestehende Mietverhältnisse wieder bezahlbar werden.

Die entsprechende Kampagne haben bereits nahezu 55.000 Menschen unterstützt. Mieter helfen Mietern Frankfurt e.V. ruft dazu auf, die Kampagne für einen bundesweiten Mietendeckel zu unterstützen.

Conny Petzold

Co-Büroleitung, Mieter helfen Mietern Frankfurt e.V.


[1] https://frankfurt.de/de-de/aktuelle-meldung/amt-fuer-wohnungswesen/neuer-mietspiegel-wird-gut-angenommen/